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Retro-Klassiker: Symbiose aus Tradition und Technik
Segelyachten mit langen, gefälligen Überhängen spiegeln die Eleganz längst vergangener Yachtzeiten wider. Diese Boote erleben eine unerwartete Renaissance als so genannte Retroklassiker. Die Nachbauten präsentieren eine Symbiose zwischen Tradition und moderner Technik. Das Moderne der Retroklassiker ist für den Betrachter allerdings fast immer unsichtbar. Es sind die vom Computer berechneten Unterwasserschiffe. Überwiegend fertigt man die neuen, alten Yachten im modernen Holzbau. Das heißt: Sie werden in der Regel aus vielen dünnen Holzfurnierschichten mit hochfesten Epoxy-Harzen formverleimt. Diese so genannte Composit-Technik lässt die fertige Yacht äußerlich im makellosen Edelholz glänzen.
Rumpf und Deck sind jedoch viel leichter, als wenn sie aus Holzplanken entstehen, so wie es im traditionellen Bootsbau üblich ist. So wiegt die 2004 bei Wagner gebaute 18 Meter lange klassische „Fleur de Mer“ nur 18 Tonnen. Die aus Planken gebauten alten Vorgängerinnen dieses 60-Fuß-Seekreuzers brachten mindestens 25 Tonnen auf die Waage. Da das Gewicht einer Segelyacht ein wichtiges Kriterium für die Geschwindigkeit unter Segeln ist, können moderne Retroklassiker mit rasanten Segeleigenschaften aufwarten. Ein tiefer Schwerpunkt mit einer
Gewichtsbombe am Kiel sorgt heute auf den Klassikern für genügend Stabilität auch bei großer Segelfläche. Das goldene Zeitalter der klassischen Segelyachten begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts und erlebte seine Blütezeit in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Namen von Konstrukteuren wie William Fife, Natanael Herreshoff, Camper und Nicolson im angelsächsischen Raum und Max Oertz und Henry Rasmussen in Deutschland bestimmten den Stil ganzer Yacht-Epochen. Die Männer sind bis heute in Fachkreisen hoch geehrt. Ihre Schiffe zeigten eine ganz neue, zeitlose Ästhetik, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder entdeckt werden würde. Georg Nissen, Yachtkonstrukteur aus Laboe bei Kiel, der auch für die Bodenseewerften arbeitet, merkte es Anfang der 90er Jahre: "Segler und Motorbootfahrer hatten plötzlich die schönen, klassischen Linien wieder entdeckt", so Nissen. Der Konstrukteur hat sich seinen Reim auf diese Entwicklung gemacht: "Durch den Kunststoffbau, der fast alle Formen möglich macht, fehlt häufig eine klare Linie. Diese Linien haben aber die alten Yachten, die aus Holz gefertigt wurden, denn damals konnte man gar nicht anders bauen.“ Wenn der Kunde etwas wünscht, zieht der Markt bekanntlich schnell nach. So werden jetzt sogar Retroklassiker als Serienboote angeboten, auch die Restaurierung alter Klassiker hat sich zu einem blühenden Geschäftszweig der Werften entwickelt. So lässt sich ein Segler beispielsweise zurzeit in der Bodenseewerft von Josef Martin die 1928 bei Abeking & Rasmussen in Bremen gebaute 12m-R-Yacht „Anitra“ restaurieren. Ein Neubau als Retroklassiker wäre kostengünstiger gewesen. Aber Eigner restaurierter Yachten lassen sich den Mythos, eine echte klassische Yacht zu besitzen, etwas kosten.
Quelle: Interboot/AN
Photos: Wagner-Werft, SeaandCoast
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