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Jeanneau NC11: Gentlemen Yacht

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1NC11Langsam mit den Maschinen im Standgas vor sich hingrummelnd könnte man sich Ernest Hemingway vorstellen, wie er mit Panamahut seine Angel über Bord hält. Die „Pilar“, die legendäre Holzpinasse des Schriftstellers, könnte als Vorlage gedient haben für die moderne Neuauflage des Gentleman-Cruisers: großer Salon, vernünftige Kabine und geschütztes Cockpit.
 Die französische Werft hat aggressiv Werbung für ihr Schiffchen gemacht - und es ist rund 185.000 Euro günstiger als die größere und technisch anspruchsvollere Fjord. Für viele Interessenten scheinen das genügend Argumente zu sein. Bedienen soll das Schiff die Gruppe von Wassersportlern, die vielleicht nicht in der Wolle gefärbte Motorbootfahrer sind, sondern gern mit etwas reduziertem Puls reisen, auch mal bei schlechtem Wetter. Somit ist die NC11 kein Coupé, kein Walkaround und natürlich keine Flybridge-Yacht, sondern eher eine Kunststoff gewordene Pinasse; gebaut für Leute, die nicht möglichst schnell in die nächste Bucht wollen, sondern gemeinsam hinter der Windschutzscheibe das Reisen genießen.

Klassische Fahrkultur
Geht so ein Konzept auf? Boote mit einem dafür geeigneten Platzangebot sind rar heutzutage, Beifahrer werden zumeist an den Salontisch verwiesen. Nicht so auf der NC11, hier gehört gemeinsame Fahrkultur quasi zum Gesamtkonzept. Dafür lässt sich die rückwärts gerichtete Salonbank in eine vorwärts gerichtete Beifahrerbank verwandeln, bei gutem Wetter kann über den Passagieren das wunderbare Webasto-Glasdach geöffnet werden. Hemingway hätte das gewiss gefallen, zu seiner Zeit gab es Boote dieser Art häufiger, wenn auch ohne Schiebedach. Was damals fehlte, war die praktische seitliche Tür neben dem Fahrer, durch die man als Steuermann schnell auf das breite Seitendeck neben dem Aufbau gelangt. Eine einseitige Angelegenheit übrigens, denn zugunsten der Innenraumbreite ist der Aufbau asymmetrisch nach Steuerbord versetzt, der Weg aufs Vorschiff sollte also immer auf der Backbordseite entlangführen. Dieses konstruktiven Tricks bedient sich auch manch anderer Hersteller, dadurch wird der Aufbau breiter. Der Salon selbst gleicht einem üppig verglasten Häuschen, das eine herrliche Großzügigkeit vermittelt. Der ungestörte Ausblick ringsherum hat aber auch seine Schattenseiten. Eine davon ist, dass auf alle Oberschränke konstruktionsbedingt verzichtet werden muss. Gerade in der ebenfalls auf dem Oberdeck liegenden Pantry fehlt dieser Raum, wenn sie viel genutzt werden soll.

Eignerkabine etwas zu klein
Der Fahrerplatz ist fester Bestandteil der Inneneinrichtung, etwas gedrängt eingepasst vor der Pantry, ist er aber nichts für große Menschen. Das gilt auch für die Eignerkoje im Vorschiff, zwar sieht das Portalbett elegant aus, aber mit weniger als 1,90 Meter Länge fehlen wertvolle Zentimeter für echten Komfort. Richten kann es die Achterkabine mit einem 1,95-Bett, auch wenn die eigentlich für die Gäste gedacht ist. Um alles von der Terrasse bis zu zwei Kabinen und Duschbad auf einem Schiff von knapp elf Meter unterzubringen, muss man eben Abstriche machen, die Großzügigkeit und die Länge der Fjord (sie ist einen guten Meter länger) fehlen der Jeanneau, auch wenn sie viel kann: Neben den von außen fast unsichtbaren Kabinen beherbergt sie das erwähnte gut nutzbare Bad, im Salon eine ebenso praktische Sitzgruppe und zudem die Terrasse, das eigentliche Prunkstück des Schiffs. Auf Schienen lässt sich hier die achtere Bank aus ihrer Position unter dem Dach bis auf die Badeplattform verschieben: das ideale Boot als Häuschen in der Bucht, wem der Platz achtern genügt. In der Praxis gibt die verrückte Bank gleich die Luke zum Maschinenraum frei, die sonst verstellt wäre. Damit es dann schattig bleibt, kann als Sonnenschutz eine Kapuze als Mini-Bimini-Topp geordert werden.

Keine Experimente
Keine Experimente gibt es beim Antrieb, über alle Produktlinien soll in Zukunft auf unterschiedliche Systeme wie starre Wellen oder IPS verzichtet werden. So kommt auch die NC11 mit Z-Antrieben, die für einen besseren Gewichtsschwerpunkt der Maschinen 40 Zentimeter in den Spiegel eingerückt wurden. Das hält den Bug beim Beschleunigen unten. Weiterer Vorteil: Beim Baden stößt man sich nicht die Zehen an den Propellern. Die bringen mit zwei Volvo-Penta-Dieselmotoren 294 kW (400 PS) ins Wasser, 30 Knoten (56 km/h) läuft die NC11 bei Vollgas. Das ist natürlich zu viel für ökonomisches Fahren, bei reduzierter Gleitgeschwindigkeit und 25 Knoten braucht die Jeanneau rund 57 Liter Kraftstoff je Stunde, das Tankvolumen von 700 Liter sollte dann theoretisch für 311 Seemeilen reichen - ohne Reserve jedoch.
Neu ist das Konzept der NC11 also nicht, aber sie ist ein lässiges Boot, dem die Franzosen eine gute Chance einräumen. Eine ganze Linie will man neben den Flybridge-Yachten Prestige etablieren. Die Frage dürfte sein, welches Revier mit der NC11 befahren werden soll, im Mittelmeer vermutet man wohl eher offene Boote - und Nordeuropa? Man wird sehen, denn ausgerechnet hier hat die deutsche Konkurrenz bisher die wenigsten Schiffe der Fjord 40 Cruiser abgesetzt.


Technische Daten

Länge 10,85 m, Rumpflänge 10,55 m, Breite 3,73 m
Tiefgang 0,90 m; Höhe über der Wasserlinie 2,10 m Verdrängung 5,9 t
Frischwassertank 250 l, Dieseltank 700 l
Zwei Volvo-Penta-Motoren D3-200, je 149 kW/200 PS, Antrieb Z-Drives mit Duoprops,
Verhältnis Gewicht/Leistung 14,75 kg/PS, Reichweite bei Marschfahrt ca. 300 Seemeilen

Rumpf glasfaserverstärkter Kunststoff, einlaminiertes Wrangen- und Stringergerüst; hydraulische Steuerung;
CE Kategorie B (10 Personen/ungeschützte Gewässer bis 8 Beaufort)

Grundpreis 225.184 Euro

Serienausstattung u.a. Maschinen mit elektrischer Schaltung, elektrische Ankerwinde, Windschutzscheibenheizung, sechs Klampen, Teakbelag Cockpit/Badeplattform, Cockpitbeleuchtung, Heißwasser, Radio mit CD/MP3Player, manuelles Schiebedach, 230-Volt-Anschluss, vier Batterien (je 110 AH).

Konstruktion Garroni Design/JF de Prémorel Concept; Werft: Chantiers Jeanneau, BP 529, Frankreich - 85505 Les Herbiers Cedex;

Internet: www.jeanneau.com

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