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Mit Dampf an die Adria
Im Jahre 1906 eröffnete der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand feierlich die neue, nun schon zweite Bahnverbindung zwischen Wien und Triest. Die Bahnstrecke, über deren Verlauf mehr als 30 Jahre lang verhandelt wurde, verlief in der Endversion auch über das heutige Gebiet Sloweniens. Die Streckenabschnitte wurden benannt nach Gebirgsketten, durch die die neuentstandene Bahnstrecke verlief. Der Abschnitt von Jesenice nach Triest erhielt so den Namen Bohinjer Bahnstrecke. Die neue Bahnverbindung war damals eine Notwendigkeit, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Die Einwohner entlang der gesamten neuen Strecke nahmen die Nachricht über ihren Bau mit Begeisterung auf.
Der Bau dieser technisch sehr anspruchsvollen Bahnstrecke dauerte von 1901 bis 1906 und stand damals im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, verläuft sie doch durch anspruchsvolles Terrain. Für die Bahnstrecke von Jesenice nach Triest mussten 42 Tunnels, 3 Galerien und 62 Brücken gebaut werden. Ein wahrer Schatz des technischen Erbes zeigt sich in seiner ganzen Pracht beim 6327 m langem, beim Bau noch 6339 m langem Bohinjer Eisenbahntunnel, eins der majestätischsten und geheimnisvollsten Bauobjekte in Slowenien, und bei der Solkan-Brücke, die mit einer Spannweite von 85 m die größte steinerne Eisenbahnbrücke der Welt ist. Die architektonische Einheit ist gut in den Bahnstationen zu sehen, die sich in einheitlicher Bauweise entlang der ganzen Strecke reihen. Von besonderem Architekturwert sind auch das prachtvolle Bahnhofsgebäude in Nova Gorica, eine Mischung aus Historizismus und Sezession, sowie die Heizrotunde in Nova Gorica, eins der schönsten derartigen Gebäude in Mitteleuropa. Zum Leben erwacht die historische Bohinjer Bahnstrecke heute durch den Dampf getriebnenen Museumszug, mit dem man im Stil der K.u.K.-Zeit durch gemächlich durch die bezaubernde Landschaft reisen kann und sich fast wie Kaiser Franz-Josef auf einer Besuchsfahrt nach Triest fühlen darf.
Unsere Reise startet unweit der Grenze zu Österreich im Städtchen Jesenice,dem Beginn der historischen Bohinjer Bahn. Mit für heutige Ohren unbekannten Geräuschen, setzt sich dier Nostalgiezug mit einer gutmütigen Behäbigkeit in Bewegung. Ein erster Höhepunkt ist die Brücke über die Klamm des Flusses Radovna und die malerischen Ausblicke auf die Lanschaft. Bahnstrecke. Der Zug macht Station in Bled, einem bekannten Tourismusort an einem idyllischen Gebirgssee, berühmt durch die auf einer Insel im See befindlichen Kircher, aber in neuerer Zeit auch als ein Zentrum des Golfsports. Über dem See erhebt sich stolz ein steiler Felsen, auf dem die Burg von Bled als ewiger Wächter dieser Schönheit wacht. Kurz darauf halten wir an der Bahnstation in Bohinj, von der die Bahn ihren Namen hat. Jetzt tauchen wir ein in die Ruhe und Schönheit des einzigen Nationalparks in Slowenien - den Nationalpark Triglav. Übrigends hier verweilte einst auch Agatha Christie, die diesen Ort mit folgenden Worten kommentierte: „Bohinj - zu schön für einen Mord!"
Weiter geht es durch den 100 Jahre alten, doch mit einer Länge von 6327 m noch immer längsten slowenischen Eisenbahntunnel, der uns aus der Alpenwelt in eine andere Landschaft bringt, in die Region Primorska. Überall spürt man das mediterrane Klima und sieht die mediterrane Flora. Wir fahren durch das Flusstal Baška Grapa, wo steile, grüne Hänge den Blick in die Ferne nur erahnen lassen. Kurz darauf sehen wir den smaragdfarbenen Fluss Soča, der uns mit seiner einzigartigen Farbe vollkommen bezaubert. Die
Soča-Quelle liegt im Trentatal. Von dort kommt das Wasser der Soca über steile Wasserfälle, Stromschnellen und Strudel durch das Sočatal. Das ganze Tal ist ein einziges Denkmal den Opfern des Ersten Weltkriegs, der von Ernest Hemingway in seinem Roman „Abschied von den Waffen" verewigt wurde. Über die Eisenbahnbrücke in Solkan mit dem weltweit größten Steinbogen unter den Eisenbahnbrücken gelangen wir in die Gorica-Ebene. Hier entdeckt das Auge verschiedene Arten von Obstbäumen, wie Pfirsich, Kirsche und Feige, nicht zu vergessen den Weinanbau. Hier beginnt nämlich die hügelige Landschaft der Goriška Brda, eins der bekanntesten Weinbaugebiete Sloweniens, an der Grenze zu Italien. Noch in Gedanken und die Landschaft versunken, sind wir plötzlich in der Stadt Nova Gorica, die gemeinsam mit dem italienischen Gorizia zum Symbol für das harmonische Zusammenleben der Nationen im Vereinten Europa wurde. Es geht weiter durch die fruchtbare Landschaft des unteren Vipava-Tals, um dann das steinige Karstgebiet zu durchfahren. Es ist die Heimat des Terans, jenes vollmundigen Weines, der zusammen mit dem Karstschinken gereicht wird. Schließlich geht es über die Grenze nach Italien. Vor uns erscheint das Meer und unsere Reise endet in Triest, einer Stadt in der die K.u.K. Monarchie immer noch ein bischen lebendig erscheint.
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