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Italien: Ein Stückchen Wien an der Adria

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  trieste-piazza-dell-unita-d-italia.jpgIn Triest erinnert viel an die Herrschaft der K.u.K.-Monarchie Österreich-Ungarns. Das Leben ist jedoch typisch italienisch Nein, die nette Bedienung kann noch nicht abräumen, obwohl der kleine Mittagsimbiss sicherlich schon kalt geworden ist. Zu aufregend ist das, was da gerade in einem kleinen Yachthafen passiert, wo Kindheitsträume wahr werden. Motoren gurgeln benzingeschwängert, ab und zu faucht es laut auf. Eine Schar Ferraristi trägt nicht nur das passende Outfit, da stehen tatsächlich die dazugehörigen Luxuskarossen „bei Fuß” und warten nur darauf zu zeigen, was sie können.

Was für ein Anblick – da kann man schon mal seinen Hunger vergessen. Ferrari-Treff in Triest – willkommen in Bella Italia! Aber aufessen will man dann doch. Lange Jahrzehnte führte die Stadt ganz im Nordosten des Stiefel-Staates ein Schattendasein. Zu Zeiten des Kalten Krieges war sie die „Endstation” – dahinter kam das zwar blockfreie, aber doch kommunistisch geführte Jugoslawien Titos. Triest wurde vernachlässigt.

 

 Freihafen seit 1719

Das war über viele hundert Jahre hinweg anders. Seit dem 14. Jahrhundert stand Triest unter habsburgisch-österreichischer Herrschaft, mit der Erhebung zum Freihafen durch Karl VI. 1719 begann der kulturelle und triest_hafen.pngwirtschaftliche Aufstieg der Stadt, die an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in voller Blüte stand. Triest hatte für die K.u.K.-Monarchie Österreich-Ungarn strategische Bedeutung. Die Verbundenheit mit Wien ist auch heute spürbar. Wenige werden vielleicht noch Zeugnis darüber ablegen können, aber „Viva l'Austria” – das hört man immer noch oft, fragt man die Menschen nachfolgender Generationen.

Und die Verbundenheit ist nach wie vor auch sichtbar. Spaziert man über die „Plaza Unita D'Italia”, vergewissert man sich unbewusst per Schulterblick, ob man noch die Adria im Rücken hat oder nicht doch auf einmal in der österreichischen Hauptstadt gelandet ist. Der zentrale Platz grenzt direkt an das Meer, von den anderen drei Seiten wird er von neoklassizistischen Prachtbauten eingerahmt, die wenig mit Italien gemein zu haben scheinen. Die Donaumonarchie begegnet einem fast überall, auch direkt über dem Yachthafen, am Golf von Triest gelegenen Schloss Miramare. Erbaut wurde es von Erzherzog Maximilian von Habsburg, dem Bruder Kaiser Franz Joseph I. Und natürlich war auch „Sisi” des Öfteren zu Gast und dürfte sich bei Spaziergängen in der Parkanlage von der „bösen Schwiegermama” erholt haben.

 

 Italienischer Lebensstil

Typisch italienisch ist dagegen die Lebensart der Triestiner. Die zahlreichen Kaffeehäuser sind gut gefüllt, wie zum Beispiel das „Cafe Tommaseo”, seit 1830 in Betrieb und damit eins der ältesten Häuser seiner Art Italiens. Oder auch das „Cafe degli Specchi”. Nicht das älteste, aber das bekannteste der Stadt, kehrten hier doch Kulturgrößen wie Rainer Maria Rilke oder James Joyce ein. Heute ist es eine Gruppe älterer, aber nach wie vor sehr temperamentvoller Damen, die bei einem Espresso die Sonntagspredigt diskutiert, während sich die jüngere Generation der Sportzeitung zu-wendet oder einfach nur in die Sonne blinzelt. Hier planen die Triestiner ihre Sonntagsausflüge und die können in die toll gelegenen Schlösser wie Miramare oder auch Duino im Umland führen, oder in eins der Museen: moderne Kunst oder Eisenbahn – alles ist dabei.

 

 Erlebnis Strassenbahn

Die Triester Tram, die einzige „Straßenbahn” der Stadt, verbindet sie mit Opicina und überwindet dabei fast 350 Höhenmeter auf gut fünf Kilometern. tram.jpgUnd das mit über 100 Jahren auf dem Buckel, der „Fitnesszustand” ist durchaus als rüstig zu bezeichnen. Ächzend und schnaufend legt das Bähnchen Meter für Meter zurück, beim steilsten Abschnitt hilft ein Seilzug. Straßenbahnfahren einmal anders! Oben angekommen, bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf Triest und die Adria. Und natürlich begegnet man auch dort oben der gemeinsamen Geschichte mit dem nördlichen Nachbarn. Ein Obelisk markiert den höchsten Punkt der damaligen Verbindungsstraße nach Wien, erbaut 1830 unter Kaiser Franz I. Und schon er wusste die Weinbautradition der Region Friaul-Julisch Venetien zu schätzen, heute kann man den Tocai Friulano oder Refosco in einzigartiger, für die Region typischer Atmospäre probieren – bei einer Ozmizza.

 

 Weinprobe direkt beim Winzer

Kleine Weinbauern öffnen im Umland der Stadt ihren Hof für wenige Wochen im Jahr für Jedermann, dann kann man den hauseigenen Traubensaft und eine leckere Jause mit Brot, Schinken, Speck und Salami oder einer Käseplatte im Schatten großer Bäume genießen – so lange der Vorrat reicht. Jedenfalls lässt es sich so in der Mittagshitze gut aushalten. Die Laubbüschel mit kleinen Richtungspfeilen am Straßenrand weisen einem dem Weg zu einer Osmizza. Ein Tipp: Je brauner die Blätter am Zweig sind, desto länger hat der Hausherr seine Pforten bereits geöffnet und kann vielleicht nicht mehr jeden Wunsch erfüllen.

 

 

Information zu Triest:

Triest liegt im Nordosten an der Grenze zu Slowenien, 120 Kilometer von Venedig entfernt. Anreise: Mit dem Autozug der Deutschen Bahn ab Düsseldorf nach Triest, www.dbautozug.de Mit AirBerlin www.airberlin.com von Düsseldorf oder mit TUIFly www.tuifly.com von Köln nach Venedig.

 

Sehenswürdigkeiten:

Nach der Besichtigung des Schlosses Duino lohnt ein Spaziergang auf dem Rilke-Weg www.castellodiduino.it Die Grotta Gigante birgt die größte Halle einer Schauhöhle. Sogar der Petersdom fände Platz. www.grottagigante.it Infos: Tourismus Friaul Julisch-Venetien: 0039/(0)432 81 51 11, www.turismo.fvg.it

 

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