Bootsmarkt - BestBoats24

Banner

Social Bookmarks

MyTagz Misterwong OneviewAlltagz Linkarena Yigg Delicious Technorati Furl Yahoo_myweb Google_bmarks Blinklist Magnolia Windows_live Digg Netscape Stumbleupon Newsvine Reddit MySocialBookmark Tailrank Spurl Social Bookmark Script 

Google Page Rank

My Google Page Rank

Sie sind hier: 

Startseite Magazin Magazin Historie: Die Lagerhölle von Goli Otok

Historie: Die Lagerhölle von Goli Otok

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

goli_otok1.jpgGleißend flimmert die Hitze über dem baumlosen Gestein. Düster thront der Wachturm mit den leeren Fensterhöhlen auf dem Gipfel von Goli Otok - der "nackten Insel". Verrostete Bettgestelle türmen sich vor den verlassenen Schlafbaracken der Gefangeneninsel. Die letzten Bewohner des unwirtlichen Internierungslagers sind Schafe, die vor der sengenden Sonne in zerfallene Werkstätten, von Unkraut überwucherte Fabrikhallen und Kerkerzellen flüchten. "Die Natur holt sich alles zurück", brummt Inselführer Ivan Peric, während er seine Schützlinge durch das verlassene Geistercamp vor der Küste der kroatischen Adria lotst.

 

 

25 Euro für die Gruselshow

Für umgerechnet 25 Euro setzt der Kroate seit zehn Jahren Touristen von der sieben Kilometer entfernten Ferieninsel Rab mit seiner Schallupe auf den kargen Inselfelsen über. Die Anwohner auf den umliegenden Inseln hätten von der Existenz der Strafkolonie gewusst, manche dort auch gearbeitet, berichtet er. Zu jugoslawischen Zeiten sei der Zugang zu dem 1988 geschlossenen Inselgefängnis jedoch "streng verboten" gewesen. Jugoslawiens autokratisch regierender Landesvater Josip Broz Tito ließ politische Gegner in das im Juli 1949 eröffnete Internierungslager verbannen. Zwischen 12 000 und 50 000 Dissidenten wurden Schätzungen zufolge in dem Insellager isoliert, misshandelt und zu nutzloser Schwerstarbeit gezwungen.

 

 Hölle der Adria

Tito ließ in der "Hölle der Adria" zunächst frühere Genossen schmoren. Ohne Prozess wurden nach dem Bruch mit der Sowjetunion 1948 Tausende von goli_otok2.jpgStalinisten nach Goli Otok deportiert. Die Insel sei Titos KZ und Straflager gewesen, sagt der Zagreber Historiker Goran Juricic, Vorsitzender des Kroatischen Zentrums zur Untersuchung kommunistischer Verbrechen. Meist seien es die kommunistischen Ortsverbände gewesen, die nach Gutdünken verdächtige Genossen deportieren und misshandeln ließen. Der 78-jährige Branko Mitrovic wird noch immer von Albträumen geplagt, schreckt schreiend aus dem Schlaf auf. Sein Martyrium auf Goli Otok sei die schwerste Zeit seines Lebens gewesen, berichtet der pensionierte Frauenarzt in Serbiens Hauptstadt Belgrad. Als 19-jähriger Gymnasiast war er im November 1949 verhaftet worden. Mit Mitschülern hatte er damals Flugblätter verteilt, die die Abkehr von der Sowjetunion kritisierten. Monatelang wurde er in Einzelhaft gehalten und bei endlosen Verhören nach seinen vermeintlichen Hintermännern blutig geprügelt. Im Mai 1950 wurde er mit weiteren Leidensgenossen vor eine dreiköpfige Kommission zitiert, die ihm mitteilte, dass er zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt worden sei - kein Gericht, kein Prozess. "Ich durfte nur mein Urteil unterschreiben - ohne eine Kopie zu erhalten." Der Schüler wurde, aneinandergekettet an andere Deportierte, in der Nacht aus einem Bahnwaggon über eine Rampe in einen offenen Seefrachter geprügelt.

 

 Zustände wie im KZ

Auf Goli Otok mussten sie durch ein 500 Meter langes Spalier aufgereihter Lagerinsassen rennen: "Sie schlugen auf uns ein wie von Sinnen." Hitze, Wassermangel, Epidemien und die Prügelexzesse der Wächter setzten dem goliotok3.jpgzum Steineklopfen abkommandierten Häftling im "Alcatraz der Adria" sehr zu. Eine Rehabilitierung nach seiner Entlassung im Sommer 1951 habe es nie gegeben, sagt Mitrovic heute verbittert. "Was der Gulag für Stalin war, war Goli Otok für Tito." Nach der Wiederannäherung zwischen Belgrad und Moskau Mitte der 50er-Jahre kamen die letzten prosowjetischen Dissidenten frei. Doch fortan wurden nicht nur Kriminelle, sondern Regimekritiker jeder Couleur nach Goli Otok verbannt. Nach Titos Tod 1980 sammelte der damals 19-jährige Zagreber Jurastudent Dobrislav Paraga gemeinsam mit seinem Freund Ernest Brajder Unterschriften für eine Amnestie der politischen Gefangenen. Doch wenige Tage nachdem die beiden Aktivisten ihre Liste an die Regierung in Belgrad und die KSZE in Wien geschickt hatten, wurden sie verhaftet. Brajder starb während des Verhörs durch den jugoslawischen Geheimdienst, Paraga wurden unter Folter die Beine gebrochen. Selbst nach der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 sei es nie zu einer Rehabilitierung der politischen Gefangenen gekommen. "Die Strukturen, die die Insel schufen, leben in Kroatien noch immer fort", meint Paraga. "Am liebsten ist den Politikern in Zagreb, dass alles zerfällt, die Spuren verschwinden."

 

Mit freundlicher Genehmigung von Welt-Online

Photos: Kroatische Tourismuszentrale

Termine & Events

service_button

Banner
Banner


AdriaNews TV

Momentan online: