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Wirtschaft: Bootsbaubranche stabilisiert sich nach drastischen Einbrüchen
Die deutschen Bootsbauer und -importeure sehen sich nach dramatischen Geschäftseinbrüchen durch die allgemeine Wirtschaftskrise langsam wieder auf einem Stabilisierungskurs. «Die Stimmung in der Branche ist erwartungsvoll», sagte der Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes (DBSV), Torsten Conradi, am Donnerstag anlässlich der 50. Internationalen Bootsausstellung hanseboot in Hamburg. Die Auswirkungen der Krise auf die hanseboot sind deutlich: Bei aktuell 700 Ausstellern verzichtet im Vergleich zum Vorjahr jeder achte Anbieter auf die Teilnahme.
Nach Verbandsangaben brach der Import bei Segel- und Motorbooten im ersten Halbjahr in den Stückzahlen um 44,88 Prozent und beim Wert um 36,71 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Der Export beider Segmente ging bei den Stückzahlen um 28,1 Prozent, beim Erlös sogar um 87,1 Prozent zurück.
Markt halbiert
DBSV-Geschäftsführer Claus-Ehlert Meyer sagte: «Über den Daumen hat sich der Markt halbiert.» So importierten die 426 Mitgliedsunternehmen des Verbandes im ersten Halbjahr 2009 nur noch 268 Segelboote und -yachten, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 543 (-50,6 Prozent). Ihr Gesamtwert ging von 23,5 Millionen auf 13 Millionen Euro zurück (-44,5 Prozent). Hinzu kam die Einfuhr von 1346 Motorbooten und -yachten (2008: 3412; -60,6 Prozent) im Gesamtwert von 59,4 Millionen Euro (97,76; -39,2 Prozent).
Export notleidend
Besonders litt das Ausfuhrgeschäft der deutschen Hersteller, da die gut 200 Werften im Verband laut Meyer zu 90 Prozent vom Export abhängen. Bei Segelbooten und -yachten setzten die Bootsbauer nur noch 642 Fahrzeuge (2008: 1881; -65,9 Prozent) im Wert von 61,5 Millionen Euro (183,86; -66,5) ab. An Motorfahrzeugen wurden 740 Boote und Yachten (1470; -49,7 Prozent) im Gesamtwert von 56,2 Millionen Euro (796,70; -92,9 Prozent) ausgeliefert (Alle Angaben ohne Kleinboote).
Allerdings: Jammern auf hohem Niveau
Trotz der Einbrüche jammern die Bootsbauer auf hohem Niveau, wie Conradi einräumte: «Wir kommen aus einer Konjunkturblase mit enormen Steigerungen über Jahre hin. Gemessen daran hatten wir schon wesentlich schlechtere Zeiten.» Meyer verwies darauf, dass der Umsatz der Branche sich bis 2008 innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt habe. «Umso tiefer ist der Fall», sagte er. Conradi rechnet damit, dass die Erholungsphase mehrere Jahre brauchen wird: «Das Niveau der Konjunkturblase werden wir aber wohl kaum wieder erreichen.»
Nach einer Umfrage unter den Verbandsmitgliedern sehen sich 15 Prozent der befragten Unternehmen heute in einer besseren Situation als im Vorjahr, für knapp die Hälfte der Firmen ist die Lage unverändert. Mit 54 Prozent gibt mehr als die Hälfte an, dass ihre Auftragslage gleich oder besser sei (Vorjahr: 77,8). Mit 18 Prozent denkt dabei nicht mal jedes fünfte Unternehmen an eine Preisanhebung, 12,7 Prozent wollen die Preise sogar senken.
Die positive Prognose für den Bootsmarkt bestätigte auch der Generalsekretär des Deutschen Segler-Verbandes, Gerhard Philipp Süß. Trotz Krise sei die Situation seines mit 190 000 Mitgliedern in 1400 Clubs stark vereinsgeprägten Verbandes ausgesprochen stabil. Es gebe so gut wie keine Rückgänge. «Und man weiß aus Krisenzeiten, dass Vereine gerade dann eher Zuwachs hatten und sogar Blütezeiten erlebten», so Süß.
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