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Wirtschaft: Bleiben Kroatiens Werften auf der Strecke?
Die Wut der kroatischen Werftarbeiter richtet sich gegen ihren Arbeitgeber. Zwei Jahrzehnte lang habe die Politik das Geld aus den staatlichen Werften „gezogen“, „und jetzt, wo es nicht mehr da ist, wird das Problem auf unsere Rücken verlagert“, ärgert sich Josko Franic, Gewerkschaftsfunktionär bei der Brodosplit-Werft in Split: „Doch so leicht geben wir uns nicht geschlagen.“ Für die sich mehrenden Proteste und Warnstreiks haben die rund 11.000 Beschäftigten auf Kroatiens sechs staatlichen Werften Zeit genug: Die Auftragsbücher des einstigen Stolzes der heimischen Industrie sind leer oder nur spärlich gefüllt, neue Order können bis zur Klärung der Zukunft gar nicht angenommen werden.Mit der raschen Privatisierung der hoch subventionierten Werften hofft Kroatiens Regierung, den letzten großen Stolperstein auf dem Weg in die EU aus dem Wege zu räumen. Die Schaffung von fairen Wettbewerbsbedingungen ist Voraussetzung für den Beitritt. Unbedingt will Zagreb die mühsamen Verhandlungen bis zum nächsten Frühjahr beenden – um dann spätestens 2012 beitreten zu können. Bis zum Zerfall Jugoslawiens wurden an der kroatischen Adria nach Japan und Südkorea die meisten Übersee-Frachter gefertigt. Doch nicht nur die Folgen der Jugoslawien-Kriege sollten Kroatiens Schiffsbau weit zurückwerfen. Zur Absatzkrise gesellten sich Misswirtschaft und Korruption. Zwar macht der Schiffsbau noch immer zwölf bis 15Prozent der Exporte aus. Doch dafür muss der Steuerzahler tief in die Taschen greifen. Mit 40 bis 50Millionen Euro im Jahr subventioniert Zagreb die Werften. Insgesamt steht der Schiffsbau mit über zwei Milliarden Euro in der Kreide. Meist sind die Kredite durch staatliche Bürgschaften gedeckt.
Kovats droht mit Rückzug
Zwar sind laut Gewerkschaftsangaben 60.000Arbeitsplätze und insgesamt 200.000Menschen vom Schiffsbau abhängig, doch die Subventionen sind den Wettbewerbshütern der EU ein Dorn im Auge. Im Gegensatz zu früheren Beitrittskandidaten wie Polen, das die Umstrukturierung des Sektors erst nach Beitritt in Angriff nehmen musste, pocht Brüssel nun auf die vollständige Lösung vorab. Weil der EU-Anwärter das Kapitel Wettbewerb im Schlusssprint des Verhandlungsmarathons endlich abschließen will, möchte Zagreb die Millionengräber nun so schnell wie möglich loswerden. Die um den Bestand der Arbeitsplätze bangenden Gewerkschaften warnen vor einer „überhasteten“ Privatisierung.
Für fünf der sechs Werften zeichnet sich eine Lösung ab. Drei dürften an kroatische Investoren gehen. Die Werft „3.Maj“ in Rijeka soll an die österreichische A-Tec verkauft werden. Zuletzt hat deren Chef Mirko Kovats aber im Gespräch mit der „Presse“ wegen eines Konflikts mit dem Betriebsrat mit seinem Rückzug gedroht.
Keine Jobgarantie
Als einzige rentable Werft könne Uljanik in Pula im Staatsbesitz verbleiben, während der Kraljevica-Werft der Konkurs ins Haus steht – das vermeintliche Interesse des serbischen Industriellen Philip Zepter hat sich in keinem Übernahmeangebot konkretisiert. Mehr als einen symbolischen Preis haben die Kaufinteressenten wohl nicht zu berappen. Aber sie müssen sich an den Restrukturierungskosten mit mindestens 40Prozent beteiligen. Den Rest finanziert der Staat, der wohl auch den Löwenanteil der Verbindlichkeiten übernehmen muss. Die Gewerkschaften fürchten, dass die Werften ohne Jobgarantie „verschenkt“ werden – und fordern aufgebracht Einsicht in die Kaufgebote und Gespräche mit Regierungschefin Jadranka Kosor. Noch prüft Zagreb Angebote. Kommende Woche sollen die Restrukturierungspläne nach Brüssel geschickt werden.
Konkurrenz aus Ostasien
Massenentlassungen scheinen unvermeidlich. Doch selbst nach ihrer Umstrukturierung werden die Werften gegen die günstigere Konkurrenz in China, Südkorea und Japan, schwer zu kämpfen haben.nDie Weltmarktpreise für neue Schiffe sind seit dem Jahr 2008 um ein Drittel gefallen. Herrscht Preiskrieg, fällt es europäischen Werften noch schwerer, neue Aufträge zu erhalten. Während im Juli bei den ostasiatischen Konkurrenten 112neue Schiffe geordert worden, ging im gleichen Zeitraum bei allen europäischen Werften zusammen ein einziger Auftrag ein.
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