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VOR: Mast-und Schotbruch nur noch 3 Teams im Rennen
Während der ersten Etappe im Volvo Ocean Race ist in der vergangenen Woche der Mast auf der "Mar Mostro" gebrochen. Nur fünf Tage vor dem erwarteten Zieldurchgang der auf Platz zwei segelnden Yacht zerbrachen mit dem knapp 32 Meter hohen Kohlefaserrigg auch die Träume der Crew vom Auftaktsieg beim Meeres-Marathon.Ein Mastbruch auf hoher See zählt zu den gefürchteten Albträumen aller Regattasegler. Ich selbst habe bereits zwei Mastbrüche auf großen Rennyachten erlebt: einen auf der America's-Cup-Yacht "Shosholoza", als ich nur eine Viertelstunde vorher selbst im Mast war, und einen vor sechs Jahren auf der Hochsee-Rennyacht "UCA" von Arbeitgeber-Ehrenpräsident Klaus Murmann. Die "UCA" ist mit 26 Metern noch ein wenig länger als die VO70-Yachten im Volvo Ocean Race. Und deswegen ist unser damaliger Mastbruch mit denen auf der "Mar Mostro" des Puma-Teams und zuvor auf der "Assam" des Teams Abu Dhabi Racing vergleichbar.
Wenn der Mast bricht, ist das wie ein Schock für Mensch und Material. Die auf das Boot wirkenden Windkräfte entladen sich in Sekundenbruchteilen. Brechende Kohlefaser erzeugt eine dumpfe Explosion, begleitet von Splittergeräuschen. Ich hatte damals auf "UCA" gerade das Ruder übernommen. Wir segelten das Fehmarn-Rennen der Kieler Woche in der Ostsee südlich Langelands. Der Wind blies mit 20 Knoten moderat. Wir hatten viel Druck im Boot und diskutierten, wie wir umtrimmen, als uns der Knall überraschte.
Ein Mast fällt weniger schnell als ein gefällter Baum, weil die Segel ihn bremsen. Man hat das Gefühl, sich in einer Zeitlupe zu bewegen. Das größte Problem danach: Das Boot wird zum tanzenden, nicht kontrollierbaren Korken auf dem Wasser. Es gilt, den Mast entweder blitzschnell loszuwerden oder ihn ebenso schnell - nötigenfalls in Einzelteilen - zu bergen und an Bord zu holen, weil er sonst den Rumpf beschädigen und schlimmstenfalls sogar ein Boot untergehen lassen kann. Dass auch bei dramatischen Mastbrüchen nur sehr selten Segler verletzt werden, hat einen ganz einfachen Grund: Die Mannschaft bewegt sich üblicherweise in Luv, der Mast aber fällt nach Lee - auf die dem Wind abgewandte Seite.
Keine Verletzten
Auch die beiden im Ocean Race betroffenen Teams hatten bei ihren Mastbrüchen keine Verletzten zu beklagen. Dennoch ist ihre Unfallbilanz psychologisch und sportlich niederschmetternd. "Wir sind die traurigsten Menschen auf dem Planeten", berichtete Puma-Skipper Ken Read nach dem Unglück auf See. Im Kampf um den Sieg im Ocean Race hat sein Team mit der Aufgabe in Etappe eins bis zu 30 Punkte für den Etappen-Ersten verloren. Gleiches gilt für die ausgefallenen Yachten "Assam" und "Sanya" (Leck am Vorschiff), die ebenfalls mit null Punkten leben müssen.
Um den Etappenhafen Kapstadt wenigstens rechtzeitig für die notwendigen Reparaturen, das Stellen eines neuen Riggs und den Start zum Hafenrennen am 9. Dezember zu erreichen, rotiert die Landmannschaft des amerikanischen Puma-Teams seit dem Unglück auf Hochtouren. "Unsere Jungs haben mehr Bälle in der Luft als jeder Zirkusclown", sagte Read. Es gibt angenehmere Orte für einen Mastbruch als die Mitte des Atlantiks. Die Mannschaft quälte sich daher in der vergangenen Woche mit dem kaputten Boot in Richtung der kleinen Südatlantik-Insel Tristan da Cunha.
Im Schutz des Eilands sollte das angeschlagene Schiff spätestens heute auf einen Frachter geladen werden. Dort warten schon die Bootsbauer, um die "Mar Mostro" (Meeresmonster) noch während des Transports nach Kapstadt zu reparieren. Parallel wird der Ersatzmast nach Südafrika geflogen. Das Team muss rund um die Uhr arbeiten, wenn es mit der Teilnahme am Hafenrennen tatsächlich klappen soll.
Auf ähnliche Weise wurde die "Assam" nach ihrem Mastbruch gerettet. Die Crew um Skipper Ian Walker konnte Lissabon anlaufen, während an Land die Drähte heiß liefen. Hilfe kam von der mittelständischen Hamburger Familienreederei Macs und Mitinhaber Dietrich Scheder-Bieschin. Der organisierte "Assams" schnelle Verladung auf den Frachter "Red Cedar", mit dem das Boot Kapstadt bereits am kommenden Dienstag erreicht. Das Team dankte dem 48-jährigen Scheder-Bieschin auf seine Weise: Der leidenschaftliche Segler darf beim Hafenrennen in Kapstadt mitsegeln.
Noch drei Boote im Rennen
Bis dahin bleibt zu hoffen, dass die drei noch im Rennen verbliebenen Boote Kapstadt an diesem Wochenende in einem Stück erreichen. Ich weiß, dass die Yachten von Top-Leuten unseres Sports entwickelt, gebaut und gewartet werden. Die hohe Ausfallquote zeigt vor allem, dass sich die Designs, die Materialien und die Segler am Limit bewegen. Ich bin gespannt, ob wir wirklich alle sechs Teams im Hafenrennen sehen werden.
Noch spannender aber erscheint mir der Ausblick auf Etappe zwei von Kapstadt nach Abu Dhabi vom 11. Dezember an. Der Kurs stellt die Organisatoren vor eine nie da gewesene Herausforderung, führt auf dem direkten Weg mitten durch somalische Piratengewässer. Deswegen haben Ocean-Race-Boss Knut Frostad und sein Stab beschlossen, die Flotte zwar ins Rennen zu schicken, sie dann jedoch in einem geheim gehaltenen Hafen A auf einen Frachter zu laden, mit dem die somalische Küste zu umschiffen und die Boote in einem ebenfalls geheimen Hafen B wieder auszuladen. Von dort soll die Etappe nach Abu Dhabi fortgesetzt werden.
Fast ist der Sport angesichts der sich überschlagenden Ereignisse bei dieser elften Auflage des Rennens etwas aus dem Blickfeld geraten. Mich hat bislang die spanische "Telefónica" am meisten beeindruckt, weil in dieser Crew die beiden Weltsegler des Jahres 2011 für Dynamik und Erfolg stehen: Iker Martinez und Xabi Fernandez, 2004 noch Olympiasieger in der kleinen Highperformance-Jolle 49er und 2008 Olympia-Zweite, sind zu echten Hochseehelden mit viel Überblick gereift. Mit an Bord sind Olympiasieger Jordí Calafat, aber auch Haudegen wie der Brite Neil MacDonald. Ich wünschte, wir hätten in Deutschland auch ein Projekt wie das Team Telefónica, in dem junge Olympiasegler eine seglerische Heimat und Chancen zum Aufstieg in den Profisport fänden. Aktuell hält nur einer die deutsche Flagge im Ocean Race hoch: Pumas Vorschiffsmann Michael Müller aus Kiel. Doch der ist nun zum Ausharren auf einem Frachter verurteilt.
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