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Kroatien: Split will größte Jesus-Statue der Welt bauen

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messias_splitEigentlich hatte Splits umtriebiger Bürgermeister Zeljko Kerum zunächst Kroatiens autoritärem Staatsgründer Franjo Tudjman an der Uferpromenade ein Denkmal errichten lassen wollen. Doch nun will Kerum gleich direkt zu den himmlischen Monument-Sternen greifen: Er schätze den 1999 verstorbenen Tudjman, sagt der reiche Bauunternehmer, „aber Jesus steht über Tudjman, ja über allen“. Und damit begründet der Millionär, warum er seine Stadt demnächst mit der größten Christus-Statue der Welt beglücken will.

Ein 39 Meter hoher Jesus soll auf der 178 Meter hohen Marjan-Höhe thronen, dort, wo einst zu Ehren des jugoslawischen Landesvaters in Riesenbuchstaben „Tito“ geschrieben stand. Der Jesus von Split soll damit das Vorbild in Rio de Janeiro (33 Meter) übertreffen, kündigt der 50-jährige Ferrari-Fan Kerum an. Dabei führt im Wettstreit um den größten Betongötzen nicht Brasilien, sondern Polen: Dort steht bei Świebodzin im einstigen Ostbrandenburg nahe der deutschen Grenze seit Ende 2010 die mit 36 Meter (ohne Podest) derzeit größte Christus-Statue.
Mit Sätzen wie Jesus sei „der Schöpfer von Himmel und Erde“ schreibt der nicht so bibelfeste Bürgermeister dem Messias göttliche Fähigkeiten zu. Auch mit dessen Botschaft der Nächstenliebe zeigte sich der Populist, der bei den Kommunalwahlen 2009 als unabhängiger Kandidat gewann, nicht immer vertraut: Er wolle weder einen Serben als Schwiegersohn noch serbische Touristen in Split, bekannte der Nationalist einmal in einem Interview. „Serben und Montenegriner taugen zu nichts Gutem.“

Als jüngst Hooligans den Abbruch der ersten Homoparade in Split erzwangen, zeigte der Stadtchef nur für die Schläger Verständnis. Kroatien sei halt „eines der katholischsten Länder der Welt“, die Leute hätten bloß gezeigt, was sie über die Parade dächten.
Die Mehrheit in Split glaubt Kerum bei seinen Denkmalplänen hinter sich, zumal er den Bau weitgehend selbst zahlen will. Er könne zwar nicht erwarten, dass jeder Mitbürger über solche „Klugheit und einen Intelligenzquotienten wie ich“ verfüge, doch zwei Drittel unterstützten ihn. Kritiker des Messias-Monuments bezeichnet der Mann, der einen Privatjet besitzt, als „Gegner des Katholizismus und des Kroatentums“.
 
„Wie ein betrunkener Nero“
Doch selbst aus konservativen Kreisen der Adria-Stadt kommt Kritik. „Kerum ist ein betrunkener Nero, der mit der Stadt wie am Kartentisch spielt“, sagt Sanja Bilać, Fraktionschefin der konservativen HDZ im Stadtrat, und schalt das großspurige Auftreten des Bürgermeisters gar „Gotteslästerung“. „Ach du lieber Gott“, kommentiert Radimir Čačić, Chef der liberalen Kroatischen Volkspartei, „der Irrsinn nimmt kein Ende.“


Mit freundlicher Genehmigung "Die Presse", Print-Ausgabe, Wien;

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