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Greenpeace: Stapellauf der Rainbow Warrior III

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greenpeace-rainbow-warrior-IIIDie neue 'Rainbow Warrior III' spendet uns Identität, sie hat eine ganz andere Aura als ein Boot, das für unsere Zwecke umgebaut oder für einen kurzfristigen Einsatz gechartert wurde." Christian Bussau ist froh und stolz, und das darf auch jeder wissen. Der promovierte Biologe ist bei der Umweltorganisation Greenpeace Projektleiter für besondere Einsätze und begleitete den Neubau des Flaggschiffes von der ersten Zeichnung an. Auch für den erfahrenen Greenpeace-Mitarbeiter ist das ein besonderer Einsatz: Zum ersten Mal in der 40-jährigen Geschichte der Organisation konnten sich die Aktivisten eine komplett neue "Rainbow Warrior" leisten.
Finanziert wurde das 23 Millionen Euro teure Schiff komplett durch Spenden, vor allem Kleinspenden von Privatpersonen. "Wir legen großen Wert darauf, nur von unbedenklichen Spendern Gelder anzunehmen", sagt Bussau. "Parteien, Industrieunternehmen oder Wirtschaftsverbände scheiden aus, so dass die Einzelspenden selten vierstellig sind."

Traditioneller Schiffsname
Der Name "Rainbow Warrior" hat bei Greenpeace Tradition. Das erste Schiff dieses Namens war ein umgebautes Fischereiforschungsschiff. Mit ihm fuhren die Umweltschützer bis in die Arktis, um gegen Robbenschlachten und Walfang zu demonstrieren. Weltweit bekannt wurde die Yacht, als sie am 10. Juli 1985 in Auckland vom französischen Geheimdienst versenkt wurde, wobei ein Crewmitglied ums Leben kam. Die "Rainbow Warrior" sollte als Protestschiff gegen die französischen Nukleartests auf dem Mururoa-Atoll eingesetzt werden. Der Bombenanschlag führte zu massiven diplomatischen Spannungen zwischen Frankreich und Neuseeland und ging zudem nach hinten los: Stärker als bisher drang die Problematik der Atomtests im Pazifik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Von den Entschädigungszahlungen, die Frankreich leisten musste, konnte 1989 die zweite "Rainbow Warrior" gekauft werden. Der zum Dreimaster umgebaute Hochseetrawler wurde neben seinem Einsatz für die Umwelt auch für humanitäre Zwecke genutzt und brachte Hilfsgüter nach Beirut oder zu den Opfern der Tsunami-Katastrophe. Nach 22 Jahren bei Greenpeace hat das Schiff nun eine neue karitative Aufgabe gefunden: Als Erste-Hilfe-Frachter ist es für die Hilfsorganisation "Friendship" vor der Küste Bangladeschs im Einsatz.

Als Segelschiff konzipiert
Mit der Inbetriebnahme des neuen Schiffes, das vorgestern getauft wurde, hat sich Greenpeace das schönste Geschenk zum 40-jährigen Bestehen gemacht. Im charakteristischen Dunkelgrün lackiert und mit Regenbogenstreifen auf der Bordwand verziert, ist die "Rainbow Warrior III" schon von Weitem zu erkennen. Auffallend sind vor allem die beiden 54 Meter hohen Aluminiummasten. Es ist die erste "Rainbow Warrior", die von vornherein als Segelschiff konzipiert wurde, schon wegen des Umweltschutzgedankens. Doch auch bei Flaute sollen die Aktivisten an Bord nicht Däumchen drehen. "Ein Schiff, das für Greenpeace im Einsatz ist, muss schnell und stark genug sein, um überall auf der Welt Umweltverbrechen zu entdecken und publik zu machen", sagt Bussau. Der 57,92 Meter lange Zweimaster ist für die Umweltaktivisten maßgefertigt. Denn das, was sie brauchen, um schnell und medienwirksam ihre Einsätze zu platzieren, gibt es nicht von der Stange. Im Gegensatz zum Vorgängermodell hat das Schiff einen Hubschrauberlandeplatz für Lufteinsätze auf hoher See. "Bisher hatten wir keine Möglichkeit, von Bord aus Einsätze in die Luft zu starten", erklärt der Projektleiter. "Nun sind wir in unserem Aktionsradius nicht mehr auf den Wasser- und Landeinsatz beschränkt und haben ganz andere Beobachtungsmöglichkeiten."
Vor allem die speziell entwickelten Kräne, mit denen die für Greenpeace fast schon symbolischen Schlauchboote blitzschnell ins Wasser befördert werden können, sind ein Novum. Damit wird es den Aktivisten möglich sein, auch bei viel Wind und Welle durch eine spezielle Tür an der Bordwand sicher die kleinen Flitzer zu besteigen.

Umweltfreundlich gebaut
Die "Rainbow Warrior III" ist ein europäisches Gemeinschaftswerk. Der 340 Tonnen schwere stählerne Rumpf wurde auf der Danziger Werft Maritim gebaut und auf einem Ponton für den weiteren Ausbau auf dem Seeweg zu Fassmer Werft in Berne bei Bremen gebracht. Für die Werft war der Ausbau eines Schiffes nach strengen Umweltschutzkriterien etwas völlig Neues. Das gesamte Schiff wurde ohne den Einsatz von PVC verkabelt, hat eigene Müllpressen und eine spezielle Apparatur zur Zerkleinerung von Glasflaschen. "Der Verzicht auf umweltschädliche, giftige Stoffe wie PVC ist leider teuer, aber nicht unmöglich", sagt Bussau. "Das kann auch auf kleinen Sportbooten und in Privathaushalten umgesetzt werden."

Geplant: 90% unter Segel
Mit einer Gesamtsegelfläche von 1256 Quadratmetern ist die "Rainbow Warrior" kein Alibi-Segler mit dickem Motor, sondern in erster Linie ein Segelschiff. Die Höchstgeschwindigkeit ohne Motor unter Segeln soll bei beachtlichen 15 Knoten liegen. 90 Prozent der Fahrten sollten künftig CO2-neutral unter Segeln zurückgelegt werden. Ist doch ein Einsatz des Motors notwendig, bleibt es beim Spitzentempo von 15 Knoten, wofür ein 2000 PS starker Diesel verantwortlich ist. In den Häfen fährt das Schiff mit einem Elektromotor, der es immerhin auf zehn Knoten bringt. Im Idealfall müsste der natürlich mit Solarstrom betrieben werden, aber dieses hehre Ziel konnte selbst Greenpeace nicht realisieren.
"Mit dem Schiff können wir beweisen, dass aktiver Umweltschutz und moderne Schifffahrt möglich sind", sagt Bussau trotzdem. "Das Schiff fährt mit einem verbrauchsarmen Dieselmotor, der nicht, wie in der Handelsschifffahrt üblich, mit umweltbelastendem Schweröl betrieben wird." Durch die bordeigene Abgasfilteranlage soll zudem die Luft so wenig wie möglich belastet werden.

Die neue "Rainbow Warrior" wird weltweit zum Einsatz kommen, einer der Schwerpunkte in den kommenden Jahren wird der Kampf gegen die Überfischung der Meere und die Einrichtung von Meeresschutzgebieten sein. "Dazu kommt unser Einsatz gegen die Abholzung der Regenwälder, für den wir uns vor der brasilianischen Küste positionieren werden", sagt der Greenpeace-Projektleiter. Doch auch in den Hafenstädten wird das Schiff oft zu Gast sein. So wie am kommenden Wochenende in Hamburg. Dann lädt Greenpeace zum "Open Boat" im City-Sportboothafen ein, und jeder kann von 10 bis 16 Uhr das Schiff besichtigen.


Text mit Material von Welt-Online

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