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Forschung: Delphine in der Adria

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delphin_1Das Schlauchboot hüpft über die Wellen wie ein Flummi. Der Wind zerrt an den Haaren. Eigentlich ist das Meer an diesem Tag viel zu unruhig, um sie zu sehen. Plötzlich drosselt Grgur den Motor und schaut durchs Fernglas. "Da sind sie!", ruft er. Wenig später umkreisen Faccia und seine Freunde das Boot. Alle paar Minuten tauchen sie auf, holen Luft und spritzen dabei Wasserfontänen in den Himmel. Faccia ist der älteste Forschungsdelfin in der Adria. An seiner Rückenflosse hat das Leben ein wildes Graffiti aus Kratzern und Furchen hinterlassen.

"Die Rückenfinne ist unverwechselbar wie ein Fingerabdruck", sagt Grgur Plesli. Der Verhaltensforscher des Blue World Institut in Loisinj erkennt daran die einzelnen Tiere. "Es ist nicht immer einfach, denn beim Kampf um Weibchen kommen immer neue Narben dazu", sagt er und notiert Datum und Uhrzeit. Seit 1987 wird rund um die kroatische Insel der "gute Delfin" erforscht, so nennt man in Kroatien den großen Tümmler – den klassischen Flipper. 150 bis 200 Tiere leben zwischen den Inseln der Kvarner Bucht.

Josephine Willems aus Belgien ist vernarrt in Delfine. Während ihre Freunde Strandurlaub machen, arbeitet die Gymnasiastin für zehn Tage als freiwillige Helferin beim Blue World Institut. Bei glatter See fährt sie mit dem Forscherteam raus, um Delfine zu suchen. Sie hilft beim Notieren des Standorts, beim Zählen der Tiere und beobachtet deren Verhalten. Ist das Meer zu rau, bleibt sie im Meeresbildungszentrum. Dort tippt sie Daten in den Computer, sortiert Fotos oder lässt sich einmal von Nahrungsexpertin Alena Sprcic zeigen, wie man Fische seziert, um mehr über die Fressgewohnheiten der Großen Tümmler zu erfahren. Zwischendurch erklärt Grgur den Helfern alles Wissenswerte über den Meeresssäuger. Zum Beispiel, dass der Delfin von einem Huftier abstammt, einer Art Küstenwolf, der vor 55 Millionen Jahren lebte und aufgrund von Klimaveränderungen gezwungen war, seinen Lebensraum ins Meer zu verlagern.

Faccia und Co. sind Raubtiere. Die Forscher wollen, dass das auch so bleibt. Deshalb ist Tauchen mit Delfinen hier tabu, Füttern ebenso. Drei Jahre lang war das Gebiet südlich von Cres und Loisinj testweise als Meeresschutzzone ausgewiesen mit Einschränkungen für die Fischerei. Das Institut setzt sich nun für eine Verlängerung ein, denn delphin_2hungrige Delfine schwimmen oft Fischkuttern hinterher und verfangen sich dann in deren Netzen. Obendrein sind sie sehr lärmempfindlich und werden durch zunehmenden Bootsverkehr aus der Region verdrängt. Zur Orientierung senden sie Schallwellen aus, mit denen sie sogar den Herzschlag der Menschen in ihrer Nähe orten können. Manche erinnern an das Knistern einer Stromleitung, andere gar an das schaurige Heulen aus einer Geisterbahn. "Damals dachte ich, die seltsamen Töne stammen von einer defekten Maschine", sagt Goran Franulovic über seine erste akustische Begegnung mit Delfinen. Bis dahin hat der ehemalige Kapitän aus der Inselhauptstadt Mali Loisinj die verspielten Tiere auf See oft beobachtet. Doch der 51-Jährige hält ein so großes Reservat für zwiespältig. "Sicher gibt es zu viele Netze und zu wenig Fisch, aber man kann die Fischerei nicht komplett verbieten. Die Menschen leben davon. Außerdem müsste dann auch der Tourismus eingedämmt werden, den aber brauchen wir genauso", sagt Goran, der seit Geburt seines Sohnes an Land arbeitet und Appartements und Segeljachten vermietet.

Aufgewachsen ist der sonnengebräunte Ex-Seemann in einer der herrschaftlichen Kapitänsvillen, die sich hier überall hinter Palmengärten verstecken. 200 Seefahrerfamilien gibt es noch in der Region. Besonders stolz sind die Einheimischen auf die 2000 Jahre alte griechische Bronzestatue, die 1999 auf dem Meeresgrund vor Mali Loisinj gefunden wurde. Dabei handelt es sich um die am besten erhaltene Statue dieser Art weltweit. Da das Original noch in Zagreb zur Renovierung ist, kann man auf Loisinj bisher nur eine Kopie bewundern.Am Abend fällt die Sonne als glutroter Ball ins Meer. Im Hafen liegen die Souvenirstände mit ihrem Angebot aus knallblauen Plastikdelfinen schon im Schatten, wenn die Kellner der Fischrestaurants die ersten Gäste begrüßen. Josephine und die Forscher grillen an diesem Abend im Garten und freuen sich über die heutige Begegnung. Sind die Tiere wirklich so intelligent, wie man sagt? "In Gefangenschaft schon", sagt Grgur. "Aber wilde Tiere handeln wohl eher instinktiv."

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