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America´s Cup: Landen Alinghi und USA auf dem Schrottplatz?
Rund eine halbe Milliarde Euro hatten Bertarelli und sein Rivale Larry Ellison in ihren Kampf investiert. Am Ende standen zwei kurze Rennen mit einer Gesamtdauer von 280 Minuten. Der Preis pro Regattaminute betrug etwa 1,8 Millionen Euro, dagegen ist die Formel 1 ein Muster an Nachhaltigkeit.Traurige Zeiten
Für beide Yachten brechen nun traurige Zeiten an, denn für den 34. America's Cup (frühestens in drei Jahren) wird es ein neues Reglement geben, man wird "USA" und "Alinghi 5" nicht mehr brauchen. Von den besten Designern der Welt erdacht, von den erfahrensten Bootsbauern in Form gebracht, hochgezüchtet, optimiert und besser gewartet als jedes andere Boot auf der Welt, fristen sie nun ein Schattendasein.
Der auf dem Wasser so aggressiv wirkende Trimaran der Amerikaner steht nackt an Land, seines hervorstechendsten Merkmals beraubt: Der Riesenflügel wurde noch am Abend des Triumphes von einem Kran aus dem Boot gezogen und in eine Halle gepackt. Dort liegt er wie ein Fisch auf dem Trockenen. Er wird die Sieger nicht auf ihre Triumphtour durch die USA begleiten können, weil er mit seinen 68 Metern Länge nicht ohne Weiteres zu transportieren ist. Das 20 bis 30 Millionen Euro teure Sportgerät hatte nach vier Stunden und 40 Minuten Cup-Einsatz ausgedient.
Ohne Profi-Crew nicht segelbar
Verkaufen kann man die Cup-Yachten auch schlecht, selbst wenn sich ein Scheich fände, der genau solche Spielzeuge haben will. Ohne vielköpfige Proficrew sind beide Schiffe
nicht zu zähmen. Wie gefährlich es für eine normale Besatzung wäre, vor allem den Trimaran samt Flügel zu besteigen, war in Valencia deutlich geworden. "Ich habe in den letzten 72 Stunden vielleicht zwei geschlafen", gab Russell Coutts, der Teamchef bei BMW Oracle Racing, kurz vor der ersten Wettfahrt zu Protokoll. Der viermalige Cup-Sieger war in ständiger Sorge um die selbst im Hafen gefährdete "USA". Der Flügel kann nicht eingeholt werden, und so bockte die Yacht bei jeder Böe, zerrte an den Leinen wie ein nervöses Rennpferd und hob manchmal sogar einen Rumpf aus dem Wasser. Ein Dutzend Männer waren eigens von BMW Oracle Racing dafür eingestellt worden, die "USA", selbst noch einmal so teuer wie ihr Flügel, in den Nächten zu bewachen, wenn nötig zu bändigen.Endstation Freilichtmuseum
"Wirklich schade ist, dass diese beiden Boote nach dem Duell nie wieder mit einer normalen Mannschaft bei normalen Bedingungen gesegelt werden können. Man kann sie im Prinzip nach der Regatta ohne die Ingenieure, die unser Boot ständig begleiten, nicht mehr bewegen." Diese Prognose hatte Alinghis Chefdesigner Rolf Vrolijk bereits vor Austragung des Duells abgegeben. Auch Alinghis Zweikufenkunstwerk steht arbeitslos an Land.
Dabei gäbe es Ideen zur weiteren Verwendung. Ossi Kragl, der am Nürburgring Marketing und PS-Vergnügen zu exklusiven Rennsporterlebnissen kombiniert, schlägt vor, den Flügel nach München zu bringen, zu BMW. "Man könnte ihn vor das Forschungs- und Innovationszentrum stellen und sagen: Schaut her, was wir geleistet haben!" Der bayerische Automobilbauer, der auch zwei Ingenieure ins Regattateam entsandt hatte, bekundete bereits Interesse. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht.
Zur wenig wahrscheinlichen Verschrottung der fragilen Yachten, die höchstens in einem Freilichtmuseum Platz fänden, gibt es auch andere Alternativen: Steve Fossetts ehemaliger Katamaran "PlayStation" etwa wurde nach seiner Regatta- und Rekordkarriere in ein Motorboot auf zwei Kufen verwandelt und leistete hervorragende Dienste als Kameraplattform für Kinofilme.
mit Material von Welt-Online
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