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Startseite Magazin Im Brennpunkt Italien: Blaue (Umwelt) Flagge nur Geldmacherei?

Italien: Blaue (Umwelt) Flagge nur Geldmacherei?

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Blue_Flag_02Italien feiert das eigene Umweltbewusstsein. Das ist trügerisch, denn die Bewerbung um das Ökosiegel „Blaue Flagge“ ist freiwillig. Viele Kommunen beteiligen sich nicht, und auch Umweltorganisationen kennen die 750 Euro teure Auszeichnung nicht.
Italien jubelt und feiert – man mag’s kaum glauben – nach unvergessenen Müllskandalen ausgerechnet das eigene Umweltbewusstsein. In diesem Jahr wurden von der Europäischen Umweltstiftung Foundation for Environmental Education (Fee) 233 italienische Strände in 125 Gemeinden ausgezeichnet. Das ist eine, wenn auch nur kleine, Steigerung von zwei Stränden gegenüber 2010.

Kein Indikator für gesundes Ökosystem
Die „bandiera blu“, die blaue Flagge, ist ein Öko-Siegel, das seit fast 25 Jahren in 41 Ländern der Welt vergeben wird. 90 Kriterien (siehe Zweittext) müssen Bewerber für die Auszeichnung erfüllen. Während die Umweltorganisation Greenpeace dieses blaue Band, das an den unterschiedlichsten Küsten Europas flattert, eher nicht kennt, erklärt WWF-Meeresschutzexperte Stefan Lutter: „Es ist kein Indikator für ein gesundes Ökosystem.“ Die blaue Flagge setze eher auf touristische Qualitäten. Die TUI zum Beispiel, wirbt in ihren Katalogen mit der Auszeichnung. „In touristisch erschlossenen Gebieten ist die Flagge ein Symbol für hohe Umwelt-, Sanitär- und Sicherheitsstandards“, ist TUI-Pressesprecherin Alexa Hüner überzeugt. So müssen ausgezeichnete Strände „Abfalltonnen in ausreichender Zahl und gut gesichert“ am Strand aufstellen sowie „ausgeschilderte Sanitäranlagen, die für die Kapazität der maximalen Besucherzahl ausgelegt sind“ installieren.

Ligurien lässt die meisten blauen Fahnen wehen
In Italien liegt die Region Ligurien mit 17 ausgezeichneten Ortschaften an der Spitze. Der Küstenstreifen um die Stadt Genua mit einem nicht gerade kleinen Hafen überrundet den jahrelangen Spitzenreiter Toscana um einen Platz. Auch der beliebte Ort Gardone Riviera am Gardasee erfüllte die Kriterien und erkaufte sich die begehrte Anerkennung für insgesamt 750 Euro. Italiens Geheimtipp seit Jahren, Kampanien – 100 Kilometer südlich von Neapel – mit seiner fast unberührten Natur, erhielt zwölf blaue Flaggen. Die dortige Region Cilento ist Unesco-Weltkulturerbe, ein echtes Stück ursprüngliches Italien. Auch in der Hauptsaison gibt es auf den kilometerlangen feinsandigen Stränden immer noch keinen Kampf um den Liegestuhl und das passende Plätzchen fürs Badehandtuch.

Blaue Flagge gegen 750.- Euro
Auch an der Adriaküste können es sich Touristen an sehr vielen ausgezeichneten Stränden gut gehen lassen. Sardinien hingegen, die Insel der Reichen und Schönen, darf in diesem Jahr nur fünf blaue Flaggen wehen lassen. Immerhin zwei mehr als noch vor einem Jahr. Allerdings: Porto Cervo an der weltberühmten Costa Smeralda wurde nicht ausgezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass sich der Ort schlicht nicht beworben hat. Denn die Qualitätsprüfer der Fee zeichnen nach Eingang der Bewerbung aus. Teilnehmen kann jeder, muss er aber nicht. Wer nicht mitspielt, wird im Gegenzug nicht negativ beurteilt.

Anerkennung noch nie verweigert
In Deutschland zum Beispiel, wo die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) das Siegel vergibt, weht vornehmlich in Ostseebädern die blaue Fahne. An der Nordsee ist lediglich das Wasser blau. DGU-Sprecherin Annegret Gülker erklärte auf Anfrage: „Interessierte Kommunen müssen die 90 Fragen mit Belegen einreichen“.
Beliebte Strände bleiben fahnenfrei
Eine Jury mit Vertretern aus den Ministerien entscheide dann über die Anerkennung. Allerdings: „Bei uns ist noch niemand durchgefallen“, sagt Gülker weiter. Und die Kontrolle? Laut Satzung müsse die DGU einmal jährlich an jedem ausgezeichneten Strand vorbeischauen. „Das schaffen wir aber nicht immer“. Ähnlich wie in Italien bleiben übrigens auch in Deutschland bekannte und beliebte Strände fahnenfrei. Hinter vorgehaltener Hand schimpft ein ehemaliger Marketing-Mitarbeiter auf der Insel Sylt: „Es gibt heute viele selbsternannte Qualitätsprüfer. Das ist eine intelligente Marketingstrategie“, bringe den Bürgern aber nicht viel.

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