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Startseite Magazin Im Brennpunkt Greenpeace: "Man muss die Leute wachrütteln"

Greenpeace: "Man muss die Leute wachrütteln"

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   Rainbowwarrier258 Meter lang ist das Segelschiff Rainbow Warrior III. Das neue Flaggschiff von Greenpeace kostete 23 Millionen Euro an Spendengeldern und hat an Bord Platz für 32 Besatzungsmitglieder.  Joel Stewart stammt aus Oregon, USA, und ist seit 22 Jahren für die Umweltorganisation im Einsatz: "Ich wollte etwas für die Umwelt tun - und segeln. Deshalb bin ich bei Greenpeace gelandet." Die Rainbow Warrior III ersetzte im Oktober ihren Vorgänger, der Greenpeace 22 Jahre diente - Ebenso lange ist Joel Stewart dabei - Der Kapitän über die ersten Ziele, wütende Fischer und Verhaftungen


Frage: Wo sind Sie mit der Rainbow Warrior III momentan unterwegs?
Stewart: Wir sind auf dem Weg von London nach Stockholm, Samstagfrüh sollten wir dort ankommen. Das ist bis jetzt unser längster Trip. Die riesigen Segel sind gesetzt, wir fahren elf Knoten, also über 20 km/h, ganz ohne Dieselmotor. Der wird nur bei Flaute angeworfen. Die Testfahrt verläuft bisher ohne Probleme, das Boot fühlt sich großartig an.

Frage: Sie laufen verschiedene Häfen an, stellen das Greenpeace-Flaggschiff in friedlicher Mission interessierten Besuchern vor. Was macht die RW III so speziell?
Stewart: Es ist das erste Mal, dass Greenpeace selbst ein Boot designt hat - mit klimaschonenden Vorgaben und auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Eines unserer Hauptanliegen war: Das Schiff muss auch ohne Motor vorwärtskommen. Vor modernen Renn-yachten braucht sich unser Schiff nicht verstecken. Bis zu 15 Knoten sind mit den Segeln möglich.

Frage: Wann fährt die Rainbow Warrior III zu ihrem ersten Einsatz?
Stewart: Nach Stockholm wird das Schiff in der Werft kurz modifiziert, ehe die Tour im Jänner nach Barcelona fortgesetzt wird. Dann wird's Ernst. Unsere erste Mission führt uns nach New York. Wir setzen dort eine Kampagne gegen den Bau und den Betrieb von Kohlekraftwerken fort. Energie aus Kohle ist klimaschädlich und für den katastrophalen Klimawandel mitverantwortlich.

Frage: Gibt es weitere Pläne?
Stewart: Unsere Tour führt uns die Ostküste der USA entlang. In Mexiko protestieren wir gegen Erdölbohrungen in der Tiefsee. Im brasilianischen Amazonasgebiet versuchen wir Frachter mit illegal geschlagenem Tropenholz zu blockieren. Dann geht's Richtung Südafrika und nach Asien.

Frage: Wie sind Sie zu Greenpeace gekommen?
Stewart: Ich habe 1989 begonnen, auf der Rainbow Warrior II mitzuarbeiten. Da hatte ich eine Karriere als Kapitän auf kommerziell genutzten Schiffen schon hinter mir. Ich habe es geliebt, auf See zu sein. Aber die Arbeit hat mich nicht zufriedengestellt. Ich wollte etwas für die Umwelt tun - und segeln. Deshalb bin ich bei Greenpeace gelandet.

Frage: Was waren Ihre Highlights in den 22 Jahren?
Stewart: Mit der Rainbow Warrior II bin ich einmal komplett um die Erde gefahren. Aber am liebsten erinnere ich mich nicht an Einsätze, sondern an Momente mit inspirierenden Menschen. Wenn du dich gemeinsam gegen Öko-Sünder in einer Linie aufstellst, dieses Gefühl kannst du nur inmitten einer Greenpeace-Aktion erleben.

Frage: Was war Ihre schmerzlichste Erfahrung?
Stewart: Im Sommer 2010 haben wir im Mittelmeer eine Kampagne für den Blauflossen-Tunfisch gestartet, der eigentlich schon ausgestorben ist. Wir haben Fischerboote blockiert. Die Fischer wurden aggressiv, haben uns attackiert und zwei unserer Schlauchboote zerstört. Ein paar Crew-Mitglieder wären fast ertrunken. Ein Aktivist wurde von einem Haken am Bein erwischt, ein anderer hat einen Schuss aus einer Harpune in die Hand bekommen.

Frage: Wie oft wurden Sie für Ihren Einsatz inhaftiert?
Stewart: Einige Male. Im Hafen von Valencia haben wir 2003 gegen illegale Importe von Regenwaldholz protestiert. Aktivisten enterten das Boot und ketteten sich an den Kränen des Frachters fest. Einen Tag später waren 50 Polizisten da. Ich wurde eingesperrt, unser Schiff für einen Monat festgehalten. Die Kampagne hat aber funktioniert: Es wurde öffentlich, dass die Regierung den illegalen Import erlaubt.

Frage: Warum sollen sich Menschen für Greenpeace engagieren - auch bei Einsätzen?
Stewart: Einem Einsatz gehen jahrelange Gespräche voraus. Das ist nur mehr der letzte Ausweg. Aber Greenpeace muss gewährleisten, dass die richtige Nachricht transportiert wird. Ölfirmen etwa haben einen starken Einfluss, sie investieren so viel Geld für Desinformation. Greenpeace muss die Leute wachrütteln. Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen Wissenschaftern zuhören, wenn die über Klimawandel sprechen. Und wenn die Menschen die richtigen Informationen haben, liegt es an ihnen, ob sie aufstehen und für einen Wechsel kämpfen.

JOEL STEWART (56) aus Oregon, USA, ist seit 22 Jahren für die Umweltorganisation im Einsatz. Der Kapitän lernte seine spanische Frau Belen 1991 bei einem Greenpeace-Einsatz in Neuseeland kennen. Gemeinsam zogen sie nach Costa Rica, wo sie im Regenwald ein Resort mit "grünem" Tourismus betreiben.


Mit freundlicher Genehmigung, der Standard, Wien

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